Am neuen Geopoint Hangender Stein lädt eine zweisprachige Informationstafel (Deutsch/Englisch) dazu ein, geologische Prozesse besser zu verstehen. Über QR-Codes gelangen Besucherinnen und Besucher zudem zu vertiefenden Inhalten auf der Website des UNESCO Geoparks. So wird der Hangende Stein zu einem lebendigen Lern- und Erlebnisort, der geologisches Wissen anschaulich und verständlich vermittelt.
Zur Einweihung am Standort Hangender Stein in Albstadt-Onstmettingen fanden sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Tourismus und Geowissenschaft vor Ort ein, darunter Landrat Günther-Martin Pauli, Oberbürgermeister Roland Tralmer, Tourismuschef Martin Roscher, Leiterin der Museen Julia Brockmann und Iris Bohnacker vom UNESCO Geopark.
Landschaft im Wandel: Der Rückzug des Albtraufs
Der Hangende Stein liegt im Zollerngraben, einer 30 km langen tektonischen Struktur mit erhöhter Erdbebenaktivität. Obwohl tektonisch abgesenkt, liegt der Graben heute paradoxerweise höher als seine Umgebung – ein klassisches Beispiel für die sogenannte „Reliefumkehr“. Der Grund: Die Gesteine im Graben waren zunächst besser vor Abtragung geschützt als an den Grabenschultern, später schützen Oberjurakalke die weicheren Schichten im Graben besser vor Erosion. Die imposante Felsformation zeigt, wie Bruchtektonik, Hebung, Erosion und klimatische Prozesse über Millionen Jahre zusammenspielen. Besonders auffällig: die rund zwei Meter breite Abrisskluft, die den Felsblock vom Raichberg trennt – ein eindrucksvoller Beleg für die dynamische Rückverlagerung des Albtraufs.
Geologische Tiefe – sichtbar gemacht
Der Ursprung des Hangenden Steins reicht über 150 Millionen Jahre zurück: Im Jurameer lagerte sich Kalkschlamm ab, der später zu massiven Oberjurakalken verfestigt wurde. Später wurde die Schwäbische Alb emporgehoben und leicht verkippt. Seitdem formten Frost, Wasser und tektonische Kräfte die heutige Landschaft. Mit seiner spektakulären Lage und geowissenschaftlichen Bedeutung ist der Hangende Stein nicht nur ein beeindruckender Aussichtspunkt und eine beliebte Sehenswürdigkeit, sondern auch ein außerschulischer Lernort erster Güte zu Themen wie Naturgefahren, Bruchtektonik, regionaler Tektonik und geomorphologischen Prozessen.
Über den Geopark Schwäbische Alb
Das Ziel des UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb ist es, Menschen für das wertvolle und vielseitige Erbe des Naturraums Schwäbische Alb zu sensibilisieren und zu begeistern. Die Gebietskulisse erstreckt sich mit rund 6.200 Quadratkilometern über die gesamte Schwäbische Alb.
Die Karstlandschaft der Schwäbischen Alb und ihr reiches erd- und kulturgeschichtliches Erbe sind weltweit einmalig. Das hat die UNESCO veranlasst, dem Gebiet 2015 ihr Qualitätssiegel zu verleihen und in die Liste der bedeutendsten Naturlandschaften der Welt aufzunehmen. Zurzeit gibt es weltweit 229 UNESCO Global Geoparks, welche die Geopark-Idee mit Leben füllen, der Hangende Stein ist als Geopoint nun Teil davon.
39 Geopoints, sogenannte Geotope von besonderem wissenschaftlichen und touristischem Mehrwert, kann der UNESCO Global Geopark Schwäbische Alb vorweisen. Der jüngste ist nun der Geopoint Hangender Stein.
Zum Geopark-Netzwerk zählen 24 Infostellen, eine davon im Ebinger Kräuterkasten. Interessierte Besucher erhalten dort Informationsmaterial und Karten über den Geopark Schwäbische Alb.